Wutzrock ist ein kostenloses (umsonst und draussen) Musikfestival in Hamburg Bergedorf. Wutzrock bietet drei Tage lang kostenlose Konzerte und Kleinkunst. Wutzrock ist damit ein drei Tage Open Air und eines der ätesten "Umsonst und Draussen-Festivals" in Norddeutschland. Auf dem Festival kann man umsonst Campen, umsonst Parken und sich über drei Tage kostenlos Bands anhören. Das Festival liegt an einem Badesee in der Nähe von Hamburg Bergedorf. Er nennt sich Eichbaumsee und ist am schnellsten über die Autobahn A25 Abfahrt Allermöhe zu erreichen. Wutzrock wird von dem Verein Galactic Entertainment e.V. und seinen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern organisiert. Neben den Bands gibt es auch noch ein Kinderfest und Kleinkunst. Wutzrock findet in diesem Jahr zum 29. Mal statt!
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    Die Wutzrock-History Nichts hält länger als ein gutes Provisorium

Ein Versuch, die Ereignisse der letzten 25 Jahre um Wutzrock herum darzustellen. Um einen möglichen Personenkult zu umgehen, tauchen hierbei keine Namen auf. Mit einer Ausnahme, denn Hartmut Falkenberg diente mit seiner Diplom Arbeit als gute Quelle für die ersten zehn Jahre.
Dieser Text spiegelt die Ereignisse, von Zeitzeugen erzählt ,wieder und ist z. T. auch von Ihnen auf Richtigkeit gegengelesen worden.


1978.Die Politik des „Modernen Wohnens“ (jeder bekommt eine Wohnung ohne weitergehende soziale Infrastruktur) aus den 60. Jahren mit ihren Bergedorf spezifischen Auswüchsen in Form von Wohnsilos in Bgd – West und Lohbrügge hat ihren damaligen Zenit erreicht. Im selben Jahr schlossen die meherere ansässigen Jugendkneipen (u.a. „Destille“, „Zumsel“ und Clubs (u.a. „Easy“), in denen Rockkonzerte stattfanden. Für die jugendlichen gab es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten mehr mit Ausnahme des Lichtwarkhauses und Angeboten von freien Trägern wie dem KAP (Jugendzentrum der Kirchengemeinde am Kurt-Adam-Platz) . Im darauffolgenden Jahr wurde dann noch das JUZ Korachstrasse über eine SPD-Mitglieder Initiative gegründet. Doch war das zu wenig, denn Bgd hätte mit seinen damaligen 100.000 Einwohnern laut Verteilungsschlüssel (ein JZ pro 30.000 Einwohner) mindesten drei haben müssen. Aus diesem Grunde läßt sich auch klar ablesen, warum in den achzigern dort eine große neonationalistische Szene mit einem Anführer Worch existierte. Nichtsdestotrotz bildete sich auch eine linke Jugendkultur, die zum Teil aus Schülern und Abiturienten, Initiatoren der Jugendkneipe „Easy“, Mitgliedern des Jusos und SDAJ und christlicher Jugendverbände bestand. Das Altersspektrum betrug zwischen 15 und 24 Jahren und die soziale Herkunft ging durch alle Schichten. Der einigende Punkt war die Idee eines selbstverwaltetem Jugendzentrums, in dem sich Jugendliche unterschiedlicher Bildung, Sozialstatus, Nationalität etc nicht nur politisch frei bilden, sondern vielmehr politisch frei engagieren sollen. Dieses Prinzip war schon in groben Zügen im KAP vorhanden mit seinen diversen, sich selbst organisierenden Gruppen, doch waren sie immer der Leitung rechenschaftspflichtig. Aus dieser Enge heraus haben sich dann auch viele aus dem KAP für ein selbstverwaltetes JUZ eingesetzt, denn nur in einem solchem JUZ sahen sie ihre Vorstellung von Jugendarbeit realisierbar. Die Grundideen für diese Form stammten von den selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentren aus Anfang bis Mitte der 70. Jahre, die in ihrer Zahl gegen Ende des Jahrzehnts wieder rückläufig waren.
Am 17.12.1978 bildete diese Jugendinitiative den „Verein für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Bergedorf“, der zu Beginn 1979 die Forderung nach einem eigenem Haus aufstellte. Die erste Aktion des Vereins war eine Party zu veranstalten und zwar im JUZ Reinbek am 7.4.1979. Angekündigt wurde die Fete mit einer Anlehnung an Asterix und dem Text „Wir befinden uns im Jahre 1979 v.Chr.. Ganz Deutschland ist besetzt...Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Jugendlichen bevölkerter Verein hört nicht auf, für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum zu kämpfen. Und das Leben wird nicht leicht sein für die Bösewichter, die kein Jugendzentrum in Bergedorf sehen wollen. (Archiv Unser Haus, 1979) . Ziel dieser Veranstaltung war es zum Einem, Geld für den Verein zu bekommen und zum Anderem die Teilnehmer auf einen langen Gang durch die Behörden vorzubereiten, und zwar spielerisch. Am Ende sprangen 500 Euro heraus. Am 6.6.1979 wird der Verein eingetragen und darf das Kürzel e.V. tragen.

Um einer breiten Öffentlichkeit die Forderung nach einem JUZ vor Augen/Ohren zu führen und natürlich das Startgeld des Vereins zu erhöhen, wurde am 30.6.1979 im Billtal-Stadion das 1. Wutzrockfestival mit 2000 Besucherndurchgeführt.

Die Organisation des Festivals oblag z.T. der Tumult – Theatergruppe des Hauses wie auch anderen aus „Unser Haus e.V.“. Sämtliche Bands spielten für umsonst oder kleinem Geld, was noch bis heute seine Gültigkeit hat. Es galt auch noch für die nächsten Wutzrocke, das ein Großteil der Bands aus dem Umfeld JUZ Reinbek / Hamburger Osten und dem Umsonst & Draußen Festival in Vlotho stammten. Bei den Bands der erstgenannten Gruppe fand ein starkes Durchtauschen der Musiker statt, denn mal löste sich eine Band auf, mal gründete sich eine andere Formation neu. Bereits beim ersten Plakat für das Festival tauchte das Wutzrocklogo in Form eines Schweinekopfes auf, das für die Jugendzentrumsbewegung stand. Entlehnt wurde es dem Schwein von Tetsche, wobei das WZ – Tierchen immer wieder mutierte vom keck blickenden über ein zwinkernd borstigen Schwein bis hin zum Rüsselschwein. Bei der 12 stündigen Veranstaltung mit 7 Bands und sonstigem Kurzweiligem arbeiten 80 Jugendliche, die ohne staatliche Unterstützung für die Vereinskasse ein paar Euros mehr erwirtschafteten. Eine weitere Gruppe der Initiative war das Tumult-Theater, was mit seinen Aktionen in Bergedorf wie auch in Hamburg auf die Notwendigkeit eines JUZ hinwies. Sie traten auch auf diversen Wutzrockfestivals auf. Die einzige Unterstützung von Seiten des Bezirksamtes war das Bereitstellen einer Bühne, was über Jahre hinweg gewährleistet wurde.

Am 5.12.1979 trugen 300 Jugendliche einen überdimensionierten Nikolausstiefel als synonym für ihre Forderung zum Rathaus. Die Anerkennung als gemein und unnütz erhielt der Verein am 18.1.1980. Mitte Mai 1980 erhielt der Verein die Anerkennung als „Träger der freien Jugendhilfe“ und am 21.06.1980 fand das 2. Wutzrockfestival statt. Wie auch ein Jahr zuvor haben die Musiker das Publikum zum freien Drogenkonsum aufgefordert und ein Trommler war irgendwann soweit von der Rockmusik soweit genervt, das er mit einer Trommel die Bühne bestieg, anfing zu trommeln, dabei das Zuhörer mitriß, zum Drogenkonsum aufforderte und jeden ihm auf der Bühne gereichten Joint verarbeitete. So spektakulär der Auftritt war, so spektakulär war auch der Abgang; beim Verlassen der Bühne wurde er gleich von drei Zivilbullen in Empfang genommen und zur Polizeiwache in der Lohbrügger Landstr.8 gebracht (dem heutigen LoLa Kulturzentrum). Ein Teil des Publikums zog daraufhin zur Wache und nach 90 Minuten konnten sie von einem hochrotem Kopf den Satz vernehmen: “Na, wie wahr ich?“. Der Trommler war frei. So viel zu den Anekdoten. Nebenbei hat eine Frau eine Anzeige wegen Unzucht erstattet, da sie im Beisammensein ihres Kindes ein Päarchen beim Geschlechtakt beobachtet haben will.

Aufgrund dieser Tatsachen war es klar, die unwesentliche Zeitüberschreitung des Festivals zu nutzen, den Platz mit 12 Peterwagen und 30 Ordnungskräften zu umstellen. Gegen die Hauptverantwortlichen wurde vom Bezirksamt ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit eingeleitet, das in der HV gegen eine geringe Geldbuße eingestellt wurde. Der Verein verstärkt seine Aktivitäten bezüglich der Musik- und Theaterveranstaltungen, so daß diese im 2 Monatsrhythmus im Rahmen eines Wutzröckchen Festivals stattfinden sollen. Der erste Termin ist 14.2.1980 (???) im Haus der Jugend mit 700 Gästen, dann im April Mai., am 11.7.1980 und das 4. am 9.10.1980. Auf der Suche nach einem geeigneten Haus hat die Ini eine leerstehende Etage in einer Fabrikhalle in der Kampchaussee (heute Kurt A. Körber Allee) ausgemacht, auch ist der Vermieter bereit, die Räumlichkeiten einem JUZ zur Verfügung zu stellen. Doch aufgrund des ausweichenden Haltung der Bezirksverwaltung springt der Vermieter ab. Stattdessen versucht die Stadt die Ini mit einem Wohnhaus abzuspeisen, von dem z.Z. Nur der Keller und das Dachgeschoß nutzbar waren, weil das Erdgeschoß an die Nähstube des Sozialamtes und die 1. Etage an eine Privatperson vermietet waren. Bei dieser Nacht und Nebelaktion im November, die Betroffenen wurden kurzfristig informiert, ist Ihnen auch unterbreitet worden, das sie Bezirksversammlung gedenkt, 30.000 Euro für ein Jugendzentrum einzuwerben, die zweckgebunden an das Wohnhaus in der Wentorfer Str. 26 verknüpft sind; getreu dem Motto: friß oder stirb. Das die Architektur und Größe des Gebäudes den Ansprüchen eines JUZ nicht genügt, war der SPD bekannt, weswegen immer nur von einem Provisorium gesprochen wurde. Da die Jugendlichen sich so nicht an der Nase herumführen lassen wollten, wurde am 19.12.1980 die Fabriketage besetz und am Anschluß an das 5. Wutzröckchen, das sich aufgrund der Ereignisse Wutröckchen nannte, zogen nochmals 200 Personen in die Kampchaussee. Das 6. Wutzröckchen steigt am 31.1.1981 im Lichtwarkhaus mit dem Ziel die gesamte Jugend über den Stand der Dinge zu informieren, zu beratschlagen und einen Beschluß für das weitere Vorgehen zu erzielen. Paradoxer Weise erschienen nur noch circa 300 anstatt der sonst gewohnten Anzahl von etwa 600. Ein Grund für die mangelnde Resonanz lag wohl an dem Provisorium, mit welchem man abgespeist werden sollte. Das 7. Wutzröckchen fand am 26.3.1981 statt. Im Laufe des Jahres reduzierte sich die Ini nur noch auf einen harten Kern von etwa 25 Personen. Am 31.3.1981 wird ein Mietvertrag zwischen der Ini und der Bezirksversammlung geschlossen mit dem Passus, das für den Fall keiner Alternativlösung bezüglich des Gebäudes die bewilligten Gelder definitiv in das Haus in der Wentorfer Str.26 fließen. Am 9.5.1981 findet das 8.Wutzröckchen statt, bei dem zum ersten Mal neben „klassischer“ Rock Musik auch türkische Folklore dargeboten wurde. Am 19. und 20.6.1981 findet Wutzrock über 2 Tage statt. Spätestens am 19.12.1981 beim 9. Wutzröckchen erreichte die Ini die Realität einer nur auf Spaß fixierten Punkkultur. Bei der Veranstaltung im Lichtwarkhaus spielten mehrere Punkbands der härteren Sorte mit der Folge, die Veranstalter waren genervt und durften am Ende den Dreck wegräumen.

Das 4. Wutzrockfestival findet am 11. und 12.6.1982 statt.
Im darauffolgenden Jahr liegt das 5. Wutzrockfestival am 18. - 19.05.1983 und wurde mit seinen rund 3000 Besuchern zum bestbesuchtestem Wutzrock seit Bestehen. Bei dem von der Hamburger Kulturbehörde mit 4000 Euro geförderten Festival wirkten etwa 60 Personen am reibungslosen Ablauf mit. Bei diesem Festival ist auch zum ersten Mal staatl. Förderung in Anspruch genommen worden mit der Begründung, es würden so Bands aus dem Hamburger Osten unterstützt. Generell soll sich die Bezirksverwaltung bei allen Wutzrocken recht kooperativ verhalten haben, indem sie Toilettenhäuschen bereitstellte und die Plätze für sehr wenig Geld nachgereinigt hat. Im Laufe der Zeit wendete sich der Fokus von einer mehr rockgeprägtem hin zur kulturellen Veranstaltung, was sich daran äußerte, das neben dem anfänglichen Tumult Theater auch weitere kabarettistische Gruppen mit steigendem Niveau auftraten, ein Verdienst, der wohl zeitweise der Galerie Schwellenangst zu geschrieben werden kann. Im gleichen Maße stieg auch die Qualität der Bands.
Das 6. Wutzrockfestival am 15. - 16.06.1984 wird zu einem Desaster, da nur 50% des letzt jährigen Publikums erschienen war.
Das 7. Wutzrockfestival. fand über drei Tage am 20. - 22.09.1985 statt, das 8. Wutzrockfestival mit zwei Tagen am 19. - 20.06.1986, das 9. mit fünf Tagen Dauer am 15.09. - 19.09.1987. Das 10. mit sechs Tagen Dauer am 30.08. - 6.09.1988 und hinterließ einen Schuldenberg von über 10000 Euro, der aber getilgt worden ist. Das kommt davon, wenn man weis, daß die Eintrittsgelder nur ein Teil der Kosten decken und ein anderer Teil der Bier- und Lebensmittelverkauf. Doch dieser wurde absolut laienhaft betrieben, so daß zum Teil Selbstbedienung herrschte. Deswegen sprangen Gastronomie erfahrende Leute ein. Symbolisch fand das Ende dieser Art von Wutzrock am letzten Festivaltag, an dem sämtliche Teilnehmer des Festivals ein Auto zerdeppern durften. Unterm Strich führte es dazu, das sich die Organisationsgruppe bei der Nachbereitung sich so zerstritten hatten, das sie kein weiteres Wutzrock durchführen wollten, obwohl bereits Gelder dafür beantragt waren.
All diesen Festivals war gemeinsam, das sie immer größer wurden, somit immer mehr Kosten verursachten wie z. B. das Zirkuszelt (ca.:5000 Euro), das ab Wutzrock 7 eingesetzt wurde, um den Unbill des Wetters besser entgegentreten zu können. Da die gestiegenden Kosten nicht auf die Besucher abgewälzt werden konnten, man aber gleichzeitig mit kommerziellen Festivals konkurrieren wollte ohne den alternativen Charakter von Wutzrock zu beschädigen, mussten immer mehr Geldmittel organisiert werden, denn vom Bier-, Kuchen- und Esseneinnahmen allein konnte Wutzrock nicht mehr finanziert werden. Anzumerken dabei ist, das der immer selbstgebacken war wie auch die Salate selbst gemacht, eine Tradition, die noch bis heute anhält, was zumindest den Kuchen anbelangt. Teilweise sind für alle Festivals die Lebensmittel vorbereitet worden. In all den Jahren gingen viele Impulse auch vom „Unser Haus e.V“ aus, die Veranstaltungsgruppe war nur eine, und so wurde auch u.a. der Frauenbewegung ein Sprachrohr auf Wutzrock gegeben, die auf dem Jubiläumsfestival einen gesamten Tag nur für Frauen organisierten. Die im Haus angesiedelte Antifa konnte Wutzrock als Plattform für Öffentlichkeitsarbeit nutzen ebenso wie die Opalachen Anfang der 80. Jahre. Natürlich waren bei den Veranstaltungen diverse Einrichtungen Bergedorfs wie das KAP, Korachstr. und JUZ Heckkaten mit involviert. In erste Linie wurde so das technische Equipment organisiert. Zwar haben die unterschiedlichen Träger Bergedorfs bei der Verteilung der Gelder kooperiert, doch galt „Unser Haus e.V.“ bei den Besuchern der anderen JUZ als zu politisch, als zu dogmatisch, Spaß war nur erlaubt, wenn er politisch korrekt war, aber immerhin verirrten sich immer mal wieder welche dorthin, einige sind sogar geblieben und haben sich eingebracht. Vielleicht kann man diese Denkweise ja mit einem höheren Durchschnittsalter im „Unser Haus e.V.“ begründen, doch ist das wohl zu dürftig. Diesen Habitus des politisch Korrekten bemängelten auch einige von den Gründern der Ini , weswegen sie sich wie auch andere sukzessive aus der Selbstverwaltungsstruktur zurückzogen und nur noch als Gäste im Cafe Flop weilten. Angespornt von der misslichen Lage der Wutzrockgruppe, stolperten einige von ihnen in ihren Erinnerungen bezüglich des Beginns von alledem über den geradezu anarchistischen Gedanken umsonst und draußen.
Ein Festival für die, die keinen Eintritt zahlen konnten oder wollten, nur finanziert über den Getränkeverkauf. Während einer bierlaunigen Runde Anfang 1988 mit jüngeren, aus anderen Einrichtungen stammenden Gästen, die einfach nur Bock auf eine gute Party hatten, wurde der Gedanke gefasst, ein „Umsonst & Draußen“ - Festival zu realisieren. Die Mittel und Wege zur Anmeldung, Beantragung von Geldern und Organisation kannte man ja, es konnte auf vorhandene Strukturen zurückgegriffen werden. Und man führte eine Festival - Zeitung ein, die während eines Wochenendseminars erstellt und später mit freundlicher Unterstützung des Bezirksamtes in eben selbigem kopiert wurde. In dem Vorwort „Back to the roots“ wurde mit den sogenannten Politischen aus dem „Unser Haus e.V.“ im gewissen Rahmen abrechnete.“...Umsonst und draußen – ein Blitzen zuckte in meinen Augen, als ich das erste Mal davon hörte. War das nicht das Motto, unter dem sich einst die lebendige Kultur von unten abspielte und auf die Straße bzw. Wiese getragen wurde? Als der Zeitgeist noch nicht mit beiden Beinen im Tempel der Anpassung zementiert war, als das polierte Golf Cabrio und das Polo - Hemd für weit aus weniger Menschen zur Orientierung galten, brach der Lebensdurst aus der bürgerlichen Gesellschaft aus. Lange Haare, Hasch und powerful Rockmusik waren Ausdruck einer (am Anfang wenigstens) nicht kommerziellen Kultur, die sich dem primitiven Schema der kommerziellen Logik - bezahlen, reingehen,, aber stillhalten, nach Hause gehen – entzog. Verweigerung gegen eine Gesellschaft, die außer Arbeit und Fernsehen die Sicherheit der Zwischenlager(Altersheim), Endlager (Friedhof) und Wiederaufbereitungsanlagen (Krankenhaus) zubieten hat, war angesagt. Das Happening als Bestandteil einer Vorstellung von einem besseren Leben oder einfach nur etwas „geileres“, riß Löcher in die genormten Vorstellungsmuster. Vielseitigkeit und Äktschen, (Bewegungs-)Freiheit ohne Mauern und Absperrgitter, Spontanität und Rumrockern – der „lebendige Party statt totem Konsum“, wie, wir Opalachen heute sagen würden – war auf dem Happenings herum gefragt. In diesem Zusammenhang gehören die vor über zehn Jahren begonnenen Wutzrocks. Nun, die langen Haare sind wieder kürzer geworden, und mit ihnen fiel so allerlei Hoffnung und Lebendigkeit. Die akademische Jugend beendet brav ihr Studium, um ihre Schäfchen in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft zu bringen....“. Getreu dem Motto, wieder ein Festival für alle zu machen, packten viele, auch aus anderen JUZ Stammenden mit an und mit der Bezirksamtbühne zog man zum Allermöher See. Selbstverständlich wurden speziell Bergedorfer oder Hamburger Bands ausgewählt, mit einer Ausnahme, den Broken Colours aus München.
Am 30.06. - 1.07.1989 wurde das „Umsonst & Draußen„ Festival am Eichbaumsee in Allermöhe durchgeführt mit zwei Zelten, eins für die Getränke und eins für die Bühne. Der Mixer saß im Ford Transit davor. Dieser Platz wurde ausgewählt zum einen, weil man sich von Wutzrock distanzieren wollte, zum Anderem weil für ein gutes Open Ar Festival eine grüne Wiese und ein See dazugehören Das Festival wurde vom Publikum angenommen und bei dem ganzen Spaß konnte man aufgrund von Kostendeckung zu später Stunde schon Freibier verteilen. Das mit dem Freibier wurde von einem Besucher etwas zu wörtlich genommen, denn hinter dem Rücken der Crew stahl er ein Faß Bier, wobei ihm beim Abtransport von der Crew noch freundlich Hilfe gewährleistet worden ist. Er hatte sich nämlich mit seinen VW Bus fest gefahren und die Crew half noch mit beim Herausschieben. Dafür war das Erwachen der Organisatoren katastrophal, denn bei der Kalkulation wurde das Bier vergessen, so daß man den Gästen am Samstag dann erklären mußte, das für die Getränke doch wieder Entgeld zu entrichten sei. Am Ende des Festivals entstanden trotzdem keine Kosten, was nicht nur daran lag, das der Dieb das Bier reumütig zurückbrachte.
Aufgrund des Erfolges traten die ehemaligen Wutzrockorganisatoren an die Organisatoren heran mit der Bitte, Wutzrock nicht sterben zu lassen und der Aufforderung, nur ihr könnt das machen. Somit wurde kurzer Hand binnen zwei Monate das 11. Wutzrock Umsonst & Draußen am 15. - 16.09.1989 wieder am Eichbaumsee gemacht, man kannte das ja bereits.
Das Erfolgsrezept klein, aber fein wurde auch für das 12. Wutzrock am 29. - 30. 06.1990 übernommen. Dieses Festval ist organisiert worden von „Galactic Entertaiment“, so nannte sich jetzt die Organisationsgruppe, was auch ihrem Motto entsprach, mit wenig Mitteln optimalen Spaß erzielen. Offiziell tauchte dieser Name das erste Mal Mitte 1988 auf, als bei einem Vorbereitungstreffen für das in Planung befindliche Stadtteilkulturzentrum LoLa sich die unterschiedlichen Gruppen mit ihren Vorstellungen und Ideen mit Namen vorstellten. Die Initiatoren für diese Projekt stammten fast ausschließlich aus „Unser Haus e.V.“, denn in dem um 1990 frei werdenden Polizeigebäude in der Lohbrügger Landstr 6 – 8 , sollte die Kulturmöglichkeit geschaffen werden, die im „Unser Haus e.V.“ u.a. aufgrund der Räumlichkeiten nicht angeboten werden konnte.
Das 13. Wutzrock ereignete sich am 28. - 29.06.1991.wieder am Eichbaumse mit steigender Gästeanzahl, was auch daran lag, das bei den Bands mehr auf Attraktivität geachtet wurde. Langsam drang den Organisatoren auch ins Bewußtsein, das, wenn bessere Bands auch kommen sollen, auch die Technik und hier erst mal speziell eine bessere Bühne her muß. Die ehemals von der Bezirksverwaltung gestifteten Bühne, sie war damals schon alt, hatte ihre Lebensgrenze bei Weitem überschritten
Das 14. Wutzrock fand am 7. - 8.8.1992 am an gleicher Lokalität mit einer anderen Bühne statt. Im Jahr 1993 kam die Bezirksverwaltung Bergedorf die Idee, das Festival immer an verschiedenen Plätzen stattfinden zu lassen, vielleicht auch von der Hoffnung getrieben, Wutzrock auf diese Weise den Publikumszulauf und die Motivation zu nehmen. Und so wurde der Beschluß gefaßt, Wutzrock 1993 im Billtalstation ausgerichtet werden muß. Das war zwar ärgerlich, aber den Organisation- und Arbeitsablauf hat man über Jahre hinweg kennen gelernt und ihn schneckuid (bis heute und in die Zukunft) verbessert. Ein großer Punkt ist der Bereich Technik mit Bühne und Equipment.
Beim 15. Wutzrock Umsonst & Draußen am 30. - 31.07.1993 kam end lich eine neu Bühne, nämlich von 1000 Steine, einem Projekt der Stadt Hamburg mit verschiedenen Standorten. Dort werden Jugendlichen Übungsräume zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, das sie dort keine legalen wie illegalen Drogen konsumieren und auch nicht angeballert dort erscheinen dürfen. Bei der Technik kristallisierte sich heraus, das es einfacher ist, Komplettsysteme zu nehmen, als die Flickschusterei, die bis dato betrieben worden ist. Usus war nämlich, sämtliche Sachen aus den diversen Einrichtungen zusammen zu sammeln bzw. die noch fehlenden Utensilien vom kostengünstigsten Anbieter mietete.. Das war lästig wegen der vielen Anfahrtstationen, nervig wegen des wilden Zusammenstöpselns, stressig beim Aussteuern der Bands und teilweise unangenehm anzuhören. Und das lag nicht an den Personen, die an der Technik saßen, denn der Verein Galactic Entertaiment e.V. hat auch über Jahre hinweg in unregelmäßigen Abständen Technik Lehrgänge abgehalten. Bei den in den diversen Einrichtungen durchgeführten Veranstaltungen haben sie die Geräte und ihre Grenzen kennen gelernt. Also wurden solche Anlagen gemietet, was aus von der Kostenseite betrachtet unwesentlich teurer war. Aus Kostengründen stellte man vom Faß- auf Flaschenbier um, nicht nur weil häufig zu viele (bis zu acht) angestochene Fässer übriggeblieben, die generell bezahlt werden müssen. Als weiteres ist Flaschenbier preisgünstiger als das aus der großen Aluhülse. Das Bier wurde aber trotzdem nur in Plastikbechern herausgegeben, was nach einigen Stunden dem Platz die Ausstrahlung einer Müllhalde verlieh. Im gleichen Jahr wurde Werbung auf Wutzrock eingeführt, ein teilweise heftig diskutierter Vorgang, denn es ging um die Heilige Kuh Unabhängigkeit. Man war immer noch ein politisches Festival mit der Zielsetzung, keinen aufgrund von Eintrittgeldern auszugrenzen, jeder konnte sich so verhalten, wie er wollte, solange er sich an die Vorgaben von Antirassismus, -sexissmus und Diskreminierung hielt. Aus der Angst heraus, ein Sponsor könnte dem Charakter des Festivals abträgliche Auflagen fordern, stellten sich die Fragen, ob Werbung überhaupt zugelassen werden durfte und wenn ja, was für Werbung? Darf die Bergedorfer Zeitung im Kreis der Unterstützer aufgenommen werden, da sie doch dem verhaßten Axel Springer Verlag gehört? Letztendlich obsiegte der Gedanke für ein weiterhin unabhängiges Festival ohne Auflagen von Seiten der Sponsoren bezüglich des Festivals. Prompt wurde natürlich das OXMOX Werbebanner beim 15. Wutzrock am 30. - 31.07.1993 dezent verkehrt an der Bühne aufgehängt.
Für Sportfreunde wurde eine ganz neue Attraktion geboten, das eine Woche zuvor statt findende Wutzrockfußballturnier, das immer noch bis heute mit wechselnden Teams ausgetragen wird. Geboren wurde die Idee auf dem 11. Wutzrock, als fußball begeisterte Wutzrocker mit Broken Colurs auf dem Platz kickten. Bei diesem spielen unterschiedliche Amateurmanschaften um einen Wanderpokal: eine liegende, vor Glück und Selbstzufriedenheit nur so strahlende Sau. In einer Richtung hat diese Festival einen traurigen Rekord erreicht. Am regnerischen Sonntag fanden sich nur vier Personen zum Abbau ein. Das tragische dabei war es recht, das man mit dem Laster nicht ins Billtalstation hinfahren konnte, es mußte alles herausgetragen werden. Da dieses Festival finanziell nicht sehr erfolgreich war gab es Anfang 1994 unter der Wutzröckchenbezeichnung ein Solidaritätsveranstaltung im Lichtwarkhaus.
Man ist aber lernfähig, das 16. Wutzrock am 8. - 10.07.1994 dauerte wieder drei Tage und endete am frühen Sonntag Abend. So konnte man noch bequem ein Teil der 6000 - 7000 Gäste zum Abbauen mit einbinden. Aber auch dieses Festival hat seine Schattenseite, die Bühne und der Backstage Bereich waren eingezäunt. Es kam einem Frevel gleich auf einem Festival, das keinen ausgrenzen will, obgleich eine nachvollziehbare Begründung war, so die Technik schützen zu können. Dabei sollen bis dahin nur ein Instrument und ein Kabelsatz weggekommen sein, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch sei es auf anderen Festivals gebräuchlich, den Musiker eine Privatzone zu geben, sie von den gewöhnlichen Gästen fern zu halten.
Beim 17. Wutzrock am 16. - 18.06.1995 wurde dann der gesamte Bereich eingezäunt, was zumindest innerhalb der Crew wieder für besser Stimmung sorgte. Ein Dauerregen fuhr die Veranstaltung trotz Förderung durch das Bezirksamt Bergedorf in Höhe von 3750 Euro tief in die roten Zahlen. Also kam Anfang 1996 im Lichtwarkhaus nochmals ein Wutzröckchen zustande. Zum ersten Mal wurde beim 18. Wutzrock am 2. - 4.08.1996 ein Pfandsystem mit Einwegbechern aufgebaut, nur wer einen heilen Becher zurückbrachte, erhielt sein Geld zurück. Für diese Festival bekam Wutzrock sogar ein Lob von der Finanzverwaltung, da am Tresen gut gewirtschaftet worden ist. Anläßlich der damaligen Fußball WM gab es auch ein Fußballzelt. Ab diesem Festival ist der Rote Punkt mit auf dem Plakat abgebildet. Er wurde u.a. von Kulturzentrum und linken Organisationen als Erkennungszeichen gegen Rassismus, Sexismus und Diskriminierung initiiert.
Für das 19.Wutzrock am 8. - 10.08.1997 wurden über Vlotho Pfandbecher für Säfte, Wein, Sekt und Bier angeschafft. Und es wurde der Veruch gestartet, ein Cafezelt einzuführen mit einer Angebotspalette von morgentlichen Frühstück, Kaffee und Kuchen nachmittags und Wein und Sekt über den ganzenTag. Nur kein Bier. Aufgrund von organisatorischen Problemen innerhalb der Cafegruppe kam es zu Verlusten kam es im ersten Jahr noch zu Verlusten. Geboren wurde der ein Jahr zuvor , als man für die Camper oder nicht Weggekommenen immer wieder Brötchen durchs Gitter gereicht wurden. Das Wettet war mal wieder ein typisches Wutzrockwetter, Regen, nur diesmal ohne Ende, und zu allem Überdruß gab es auch noch Knatsch innerhalb der Crew, weil einige glaubten, nur der von ihnen betreute Bereich errmögliche Wutzrock und deswegen die Nase etwas höher trugen.
Im darauffolgenden Jahr beim 20. Wutzrock am 21. - 23.08.1998 ging das ohne diese Personen und schon war die Stimmung besser. Das sind halt die Regeln eines sich selbst organisierenden Systems, die ab und zum Ausdruck kommen. Ansonsten war wieder Schweinewetter angesagt, aber der Ruf mancher dort aufgetretenden Gruppe hat ein größeres finanzielles Fiasko abwenden können.
Ab diesem Jahr war auch ICAD ständig vertreten, eine Organisation, die gegen die in manchen Ländern gängige Praxis, Menschen verschwinden zu lassen, angeht. Petrus bediente das darauffolgende 21. Wutzrock am 21. - 23.08.1999 mal wieder mit Schauer und Sonnenschein. Das 22. Wutzrock am 20. - 22.08.2000 konnte für sich mal wieder als politisches Festival hervortun, wenn auch in negativer Sicht. Ein Plakat mit der Aufschrift, Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen fand bei einigen Glatzen soviel Anstoß, daß sie es zerstören wollten. Bei der Auseinandersetzung mit der Security wurde von Seiten der Rechten eine Waffe gezückt, doch das deeskalierende Verhalten der Crew verhinderte schlimmeres. Die Person ist angezeigt und ein Jahr später verknackt worden.
Das 23. Wutzrock am 13. - 15.07.2001 war ein normales, während das 24. Wutzrock am 16. - 18.08.2002 doch mehr oder weniger eine Streßparty war. Ob der heißen Temperaturen war schon Freitag Abend abzusehen, daß der gesamt Vorrat, der sonst für drei Tage reichte, nicht reichen würde. Panisch wurde am Samstag noch eingekauft und wieder wie auch am Sonntag zügig verkauft. Im Übrigen kann man über die letzten Jahren nur sagen, das der Ablauf des Festivals immer professioneller wurde, was auch von vielen Bands bestätigt wurde. Wohl auch ein Grund dafür, das namhafte Bands wieder für ganz kleines Geld hier spielen wollen. Es wurde fortwährend daran gearbeitet, das Festival für die Crew wie auch für die Gäste zu verbessern. Über alle Jahre hinweg gab es Kleinkunst, das Kinderfest, die Literatten und die vielen kommerziellen Ständen, die mit ihren Standgegühren auch ein Teil zur Kostendeckung beitrugen. Zum Erfolg des Festivals gehört natürlich auch das Gelände am Eichbaumsee, das mit seinem Ambiente geradezu dafür geschaffen ist. Und auf einer solchen Wiese fühlt sich die Sau wohl.
Im Juni 2003

 
 
   
         
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